Der Genuß einer Zigarre

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Grundsätzliches

Um eine Zigarre genießen zu können benötigen Sie neben der Zigarre selbst eines: Zeit! Für eine Corona können Sie mindestens 30 Minuten ansetzen, die Churchill-Formate versprechen eine dreiviertel bis eine Stunde Genuß. Wer wie ich im Job eigentlich immer hinter Terminen hinterher hetzt und kaum Zeit für eine Mittagspause hat sollte sich von dem Gedanken verabschieden, seine Zigarre während der Arbeit genießen zu wollen.

Welcher Zeitpunkt nun genau der richtige ist bleibt wohl jedem selbst überlassen. Ich persönlich schätze die Zigarre zu Hause nach Feierabend oder im Garten nach getaner Arbeit. Ich mag auch die Zigarre nach einem guten Essen im Restaurant. Wäre da nicht die gesellschaftliche Trennung zwischen Zigaretten- und Zigarrenraucher. Es stellt wirklich kein Problem dar, sich nach dem Essen eine Zigarette anzuzünden, sofern man nicht gerade im Nichtraucherbereich sitzt. Sobald Sie aber eine Zigarre in der Hand haben ist Ihnen die Aufmerksamkeit der übrigen Gäste sowie des Personals so gut wie sicher. OK, man wird nicht gerade rausgeschmissen aber beliebt ist man auch nicht gerade.

Neben dem Zeitpunkt für den Genuß stellt sich mir auch die Frage nach der Frequenz des Genusses. Auch das sollte jedem selbst überlassen bleiben. Ich persönlich belasse es bei einer, maximal zwei Zigarren pro Tag, um den Geschmack auch wirklich genießen zu können.

Das Bauchbindenproblem

Ich möchte jetzt zu dem Zeitpunkt kommen, an dem Sie Ihre Zigarre ausgewählt haben und in der Hand halten. Ins Auge fällt jetzt die Bauchbinde und Sie fragen sich, ob diese entfernt werden muß oder nicht. Für das Entfernen der Bauchbinde spricht in meinen Augen nur ein Grund: sie möchten vermeiden, dass jeder an der Bauchbinde sieht, dass Sie eine schweineteuro Cohiba rauchen. Ihre Rücksichtnahme auf weniger betuchte Zeitgenossen ehrt sie, aber haben Sie schon einmal einen Ferrari gesehen, der ohne Embleme und mit verhüllter Verkleidung an Ihnen vorbeigerauscht ist? Vergessen Sie es also. Sie mögen den Genuß, also stehen Sie auch dazu. Ein wichtiger Grund gegen das Entfernen der Bauchbinde ist die Tatsache, dass oftmals ein Teil der Bauchbinde mit dem Deckblatt verklebt ist. Wenn Sie die Binde entfernen, entfernen Sie möglicherweise auch Teile des Deckblatts und das wollen Sie doch sicher nicht!?

Das Anschneiden

Nachdem die Frage der Bauchbinde geklärt ist stellt sich die Frage, wie die Zigarre angeschnitten werden soll. Grundsätzlich existieren hierfür drei verschiedene Methoden:

Das Einkerben. Hierbei wird die Zigrarre V-förmig eingekerbt.

Die Lochung. Hierbei wird in die Mitte des Kopfes ein Loch gestoßen.

Der "Guillotine-Schnitt". Hierbei wird ein Teil des Kopfes gekappt.

Die Lochung ist meines Wissens die älteste Schnittmethode, sofern hier überhaupt von Schnitt gesprochen werden kann. Vorteilhaft bei diesem Prinzip ist die Unabhängigkeit des Werkzeugs vom Umfang der Zigarre. Ein Loch in der Mitte bleibt ein Loch in der Mitte, egal welchen Umfang die Zigarre hat. Einen Nachteil der Lochung sehe ich in der Tatsache, dass bei der Lochung der Tabak an den Bohrrändern zerstoßen wird und die Krümel beim Rauchen den Zug behindern können. Ich würde diesen Nachteil aber nicht als besonders groß bezeichnen wollen. Ich habe mich nach anfänglicher Abneigung mittlerweile doch zur Anschaffung eines Bohrers durchgerungen und bin ganz zufrieden mit dem Ergebnis. Kann aber vielleicht auch an dem Bohrer liegen, von dem ich sehr angetan bin. Das Ding kommt von Passatore, sieht optisch gut aus und bohrt höllenscharf.



Dieser Cutter wird in mehrern Versionen angeboten, wobei mir der Rundcutter in Edelstahlausführung am besten gefallen hat. Er wird in einer Holzschatulle


geliefert, in der sich auch noch weiteres Zubehör unterbringen und bequem transportieren läßt.

Bei der Kerbung stellt sich das Problem der Tabakkrümel nicht. Das Problem liegt hier in der Tatsache, daß es meines Wissens keine vernünftigen Anschneider gibt, die für größere Ringmaße groß genug sind. Das Ergebnis ist dann hier keine Kerbe, sondern eher eine flache Mulde. Nachteilig ist auch, dass die meisten Anschneider keine saubere Kerbe liefern. In der Regel ist das Ergebnis ein mehr oder weniger zerstörter Kerbenrand.

Bleibt der "Guillotine-Schnitt". Sofern das verwendete Werkzeug groß genug für das Ringmaß ist, und solche Werkzeuge finden sich leicht, in meinen Augen die sauberste Methode. Die große öffnung garantiert einen leichten Zug und Sie können das volle Aroma genießen. Den Schnitt setzen Sie am besten etwas hinter der Stelle, an der die Kappe beginnt an. Führen Sie den Schnitt nicht mit Bedacht, sondern schnell durch, um der Gefahr von Quetschungen vorzubeugen. Stellen Sie auch sicher, dass die Klinge scharf ist. Bevor Sie mich nach einer Möglichkeit fragen, die Klinge zu schärfen: ich verliere meine Anschneider in einer derart hohen Frequenz, dass ich mir über ein Stumpfwerden der Klinge noch nie habe Gedanken machen müssen.

Das Anzünden

Die Zigarre ist angeschnitten, jetzt wird es Zeit für das Anzünden. Aber wie? Ich fange mal mit der übelsten Methode an: die Kerze auf dem Tisch. Diese Methode ist schon aus ästhetischen Gründen nicht die erste Wahl...

Das Benzinfeuerzeug, beispielsweise ein Zippo ist da zwar schon besser, es besteht aber die Gefahr, den Geschmack negativ zu beeinflussen.

Das gute alte Streichholz eignet sich da schon eher. Sofern Sie nach dem Entzünden ein wenig warten, damit der Schwefel verbrannt ist und den Geschmack nicht beeinflusst, eine durchaus gute Wahl. Verwenden Sie nicht ausgerechnet Streichhölzer in der Ausführung "Kaminanzünder". Die sind zwar hübsch lang und damit vordergründig geeignet für das Anzünden einer Zigarre, doch sind die Dinger mit irgendeiner Chemie behandelt, die ich nicht unbedingt in der Nähe einer Zigarre wissen möchte, die ich hinterher noch rauchen will.

Auf der sicheren Seite sind Sie auch mit einem Gasfeuerzeug. Gas verbrennt ohne Gerüche und ohne den Geschmack negativ zu beeinflussen.

Halten Sie beim Anzünden das Feuer weg vom Brandende. Ansonsten verrußt mit Sicherheit das Deckblatt. Halten Sie die Flamme kurz unter der Zigarre und erwärmen Sie sie zunächst, wobei Sie die Zigarre drehen, damit das Brandende gleichmäßig erhitzt wird. Ich persönlich erhitze meine Zigarren auf diese Art so lange, bis sich ein dünner Feuerring um das Brandende herum entwickelt. Dann endlich kommt der Augenblick, wo Sie das erste mal sanft an Ihrem Liebling ziehen können, wobei Sie die Flamme kurz unterhalb der Zigarre halten und diese dabei drehen, bis sie sich rundherum gleichmäßig am Brandende entzündet hat.

Auch bei Gasfeuerzeugen gibt es Unterschiede. Feuerzeuge mit einer konventionellen Flamme erfordern ein wenig Geduld und Fingerspitzengefühl, um die Zigarre gleichmäßig anzuzünden. Für die weniger Geduldigen und nicht so perfekt feinmotorisch Veranlagten, so wie mich, hat die Industrie eine Lösung gefunden, die sich mittlerweile recht gut durchgesetzt hat. JET-Flamme heißt das Zauberwort. Die Flamme ist in etwa vergleichbar mit nem Brenner zum Löten ;-) Höllisch heiß und kräftig. Damit ist das Anzünden wirklich kein Problem mehr und sollte die Zigarre aus welchen Gründen auch immer mal im Laufe der Zeit anfangen schief abzubrennen toastet man halt ein wenig nach. Kein Problem!

Eine letzte Bemerkung zu Gasfeuerzeugen, ohne Wertung. Lassen Sie sich bei Ihrem Händler einfach mal einen Tropfen Gas aus einer preiswerten Gas-Nachfüllflasche und aus einer Flasche mit qualitativ hochwertigem Gas auf eine Glasoberfläche sprühen und schauen Sie sich die Rückstände nach Verflüchtigen des Gases an.

Das Rauchen der Zigarre

Nunja, wenn Sie bis hierher gekommen sind bleibt eigentlich nur zu sagen: Viel Spaß! Das Genießen eine Zigarre wird oft mit dem Genuß eines guten Weines verglichen. Kenner sprechen oft vom „Schlürfen" des Raucharomas. Dieser Vergleich ist schon passend, denn der Genuß der unerwarteten Kombination von Aromen im Zigarrenrauch läßt sich vergleichen mit dem Genuß eines exzellenten Weines. Im Grunde ist hier nur noch ein kurzer Tip bezüglich der Asche angebracht, der Rest sollte (hoffentlich) nur noch individueller Genuß sein. Klopfen Sie die Asche nicht ab, sondern streifen Sie sie ab. Warten Sie hiermit so lange, bis die Asche eine Länge von mindestens einem Zentimeter angenommen hat. Hierdurch erreichen Sie einen wesentlich kühleren und in meinen Augen damit angenehmeren Rauch.

Das Ableben

Irgendwann ist alles vorbei, auch der Genuß Ihrer Zigarre. Auch wenn es aus dem Aspekt "Kosten pro Centimeter" schwerfällt, rauchen Sie die Zigarre nicht zu weit herunter, denn am Ende zeigt sich ein unangenehmer bitterer Geschmack. Stellt sich dieser Moment ein, und dieser Moment ist bei etwa einem Drittel bis Viertel der ehemaligen Gesamtlänge gekommen, nehmen Sie Abschied und halten Sie den Rauchgenuß in guter Erinnerung. Drücken Sie die Zigarre nun nicht wie bei einer Zigarette aus, um unnötige Qualmbildung zu verhindern. Legen Sie den Rest in den Aschenbecher und lassen Sie sie dort erlischen. Im Gegensatz zu Zigaretten enthalten Zigarren keine Zusatzstoffe, die sie über längere Zeit weiterbrennen lassen.




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