Martin´s Eck

Grundlagen der Belichtung
Grundlagen der Belichtung: es dreht sich irgendwo immer alles um Belichtungszeit, Blende und ISO (Lichtempfindlichkeit)

Das Zusammenspiel von Belichtungszeit, Blende und ISO spielt in der Fotografie die alles entscheidende Rolle. Denn nur durch das Spiel mit diesen Parametern gelingt ein vernünftig belichtetes Bild. Du magst eine kreative Begabung haben, was Bildideen oder Perspektive betrifft. Ohne eine vernünftige Belichtung hilft dir das nicht. Und auch der nicht so kreative Fotograf kriegt z.B. bei Frau oder Verwandschaft vorzeigbare Bilder hin, wenn er sie denn richtig belichtet.
Daher ist die Beschäftigung mit diesen 3 Dingen eine unabdingliche Basis, auf die jeder dann aufbauen kann.

Vergiss dabei nicht, dass sogenannte Kreativprogramme, die viele Kameras besitzen, auch nichts anderes machen als eine Anpassung dieser 3 Werte, abhängig vom Programm:

Z.B. im Portraitprogramm wird die Kamera versuchen, den Blendenwert klein zu halten, um den Hintergrund unscharf verschwimmen zu lassen.

Im Nachtprogramm zielt die Kamera darauf ab, die ISO möglichst hoch zu drehen, um verwacklungsfreie Aufnahmen zu ermöglichen.

Wenn Du die Zusammenhänge einmal verstanden hast, brauchst Du diese vorgefertigten Programme nicht und kannst die Einstellungen selber vornehmen. Oft besser als die Automatik der Kamera, die halt nicht genau weiß, was Du eigentlich wirklich willst.


Also los gehts.

Blende
Bei der Blende, genauer dem Blendenwert, handelt es sich zunächst einmal um eine Zahl, die das Verhältnis von Brennweite zum Durchmesser der Blendenöffnung angibt. Am Beispiel eines Objektivs mit Brennweite 80mm bedeutet also ein Blendenwert von 8 eine Blendenöffnung von 10mm. Ein Blendenwert von 2,8 bedeutet eine Blendenöffnung von ca. 29mm. Die Öffnung ist also größer und damit fällt durch die Öffnung bei gleicher Belichtungszeit mehr Licht auf den Sensor.
Genau dieser Punkt führt am Anfang oft zu Verwirrung und man muss sich einfach merken, dass die Blendenöffnung umso kleiner wird, je größer der Blendenwert ist.

Die größtmögliche Blende, also der kleinste Blendenwert, wird immer bei den Objektiven angegeben und ist eine Art Qualitätsmerkmal, in der Regel aber auch ein Indikator für den Preis des Objektivs und dessen Gewicht.

Was bedeutet nun die Blende im Zusammenhang mit der Aufgabe, ein korrekt belichtetes Bild zu erstellen?
Nun, bei gleicher Belichtungszeit und ISO-Einstellung, also der Empfindlichkeit des Sensors, gelangt mit einem kleinen Blendenwert mehr Licht auf den Sensor als mit einem großen Blendenwert.
Der kleinste Blendenwert, z.B. 2,8, ist durch das Objektiv vorgegeben. der größte Blendenwert letztendlich auch.

Wie bei der ISO-Einstellung und Belichtungszeit gibt es bei der Wahl der passsenden Blende allerdings ein paar Dinge zu beachten.

Je kleiner der Blendenwert, umso kleiner ist der Bereich, der scharf dargestellt wird. Man nennt diesen scharfen Bereich Schärfentiefe und er hängt tatsächlich nicht ausschließlich vom Blendenwert, sondern auch von der Brennweite des Objektivs ab. D.h.:
Kurze Brennweiten (Weitwinkel) haben einen größeren Scharfstellungsbereich als lange Brennweiten (Tele). Eine offene Blende, also ein kleiner Blendenwert hat einen kleineren Scharfstellungsbereich als eine geschlossene Blende, also ein großer Blendenwert.

In Summe wirst Du somit, wenn sowohl Vordergrund als auch Hintergrund des Bildes scharf sein sollen, mit einem großen Brennwert arbeiten. Soll nur der Vordergrund oder der Hintergrund scharf sein, verwendest Du einen kleinen Blendenwert.

Ein paar Einschränkungen solltest Du zusätzlich kennen:

Viele Objektive bilden bei ihrem konstruktionsbedingt kleinsten Blendenwert (ein wenig) unscharf ab und erreichen ihr volle Leistung erst durch Abblenden um 1 bis 2 Stufen gegenüber ihrer maximal geöffneten Blende.

Schließt Du die Blende zu sehr, also nutzt einen sehr großen Blendenwert, kommt eine sogenannte Beugungsunschärfe zum Tragen, was auch wiederum dazu führt, dass die Bilder an Schärfe verlieren. Ich persönlich vermeide es, größere Blendenwerte als 11 zu nutzen und würde es Dir auch raten.

Letztendlich ist also die Blendeneinstellung einer der drei Parameter, an denen du drehen kannst, um eine korrekt belichtetes Bild zu erzielen. In erster Linie greift Du mit der Blende aber gestalterisch ein, indem durch veränderten Tiefenschärfenbereich Unschärfen gezielt steuern kannst.


Belichtungszeit
Bei gleicher Blende und ISO-Einstellung, also der Empfindlichkeit des Sensors, bestimmt die Belichtungszeit, wie viel Licht auf den Sensor gelangt und wie hell oder dunkel damit das Bild wird.
Gehen wir mal davon aus, dass Du die ISO auf 100 haben willst, um Rauschen zu vermeiden (siehe ISO). Weiterhin ist Blende 8 gesetzt, um den Schärfebereich nicht zu schmal ausfalls zu lassen (siehe Blende). Dann kommt da z.B. bei Sonnenschein eine Belichtungszeit von 1/500 Sekunde bei raus, im Schatten 1/125 Sekunde und in der Dämmerung eventuell nur noch 1/15 Sekunde.

Kein Problem, magst Du denken, bei meiner Kamera sind Zeiten zwischen 1/6000 Sekunde und 30 Sekunden möglich. Doch halt, es gibt Fallstricke:

Unschäfte wegen Bewegung des Motivs : mal von z.B. Baumstämmen abgesehen, neigen viele Dinge dazu, sich zu bewegen. Das beginnt bei Menschen, die es, auch wenn man sie bittet für ein Bild still zu stehen, nicht vollständig bewegungslos hinkriegen. Blätter im Wind, fahrende Autos, Flugzeuge, Sportler, die Band bei Konzertbesuchen, selbst eine Schnecke (lebend)... alles ist in Bewegung und wenn Du zu lange belichtest, werden diese bewegten Personen oder Dinge auf dem Bild unschaft dargestellt.
Solche Effekte können gewollt sein, hier geht es aber zunächst einmal darum, die Dinge scharf darzustellen.
Daher belichte bei sich bewegenden Dingen irgendwo zwischen 1/250 und 1/6000 Sekunde. Je schneller die Bewegung, je kürzer die Belichtungszeit.
Wenn die Zeit für Dich fest steht, hast Du Blende und ISO als Spielmasse, um auf die gewünschte Zeit zu kommen.

Unschäfte wegen Deiner eigenen Bewegung : es gibt eine alte Regel, die besagt, dass die Belichtungszeit nicht länger als 1/<Brennweite des Objektivs> sein soll, um Unschärfen zu vermeiden, die auf Grund der Kamerabewegung während des Auslösens entsteht. D.h. beispielsweise: verwendest Du eine 100mm-Brennweite, sollte die Belichtungszeit nicht länger als 1/100 Sekunde sein. OK, wenn Du ein Stativ benutzt, kommt dieser Punkt nicht zum Tragen.

Zum Glück gibt es heute oft Bildstabilisatoren in den Objektiven oder Kameras, die solche Bewegungen ausgleichen. Das funktioniert bis zu einem gewissen Grad auch recht gut, zaubern kann diese Technoligie aber auch nicht: wenn Du bei irgendwas um die 1 Sekunde Belichtungszeit bist, hilft der Stabilisator auch nicht viel.
Daneben geht die Regel nicht von der Situation aus. Vermutlich geht es jedem so: wenn ich entspannt ein Foto mache, halte ich die Kamera wesentlich ruhiger als z.B. auf einem Berg, auf den ich in den vorherigen Stunden hochgelaufen bin, die Pumpe rast und der Atem rasselt.
Und eine Sache darf man bei den Stabilisatoren nicht vergessen: sie helfen gegen das eigene Zittern, bei Bewegungen des Motivs helfen sie NICHT.

Auch hier gilt: wenn Du im Grenzbereich angekommen bist, versuche mit Blende und ISO zu spielen. Ein verwackeltes Bild kann auch eine nachfolgende Bildbearbeitung nicht mehr wirklich retten.

Kürzeste Belichtungszeit ist immer noch zu kurz : gerade im Süden um die Mittagszeit bei strahlendem Himmel passiert das: die ISO ist bereits auf dem kleinsten Wert, die Blende soweit eben sinnvoll geschlossen und die kürzeste Verschlusszeit, die deine Kamera bietet, ist immer noch zu lang. Das Bild ist überbelichtet.
Hier hilft dann ein sogenannter Graufilter, der analog einer Sonnenbrille wirkt und weniger Licht durchläßt, was dann längere Belichtungszeiten ermöglicht.


ISO-Empfindlichkeit
In der analogen Welt war es vergleichsweise statisch: ISO 100 für Strand und Aufnahmen bei viel Licht, ISO 200 bei etwas weniger Licht und ISO 800 für Aufnahmen mit wenig Licht. Ein paar Profifilme wurden auch mit ISO 1.600 angeboten. Je höher die ISO, umso körniger wurde das Bild. Einmal eingelegt, stand die ISO für die restlichen 24 oder 36 Aufnahmen fest und es waren lediglich Belichtungszeit und Blende, die als Spielmasse zur Verfügung standen.

In der digitalen Welt kann die ISO-Empfindlichkeit für jedes Bild einzeln gewählt werden. Der Grundsatz, dass mit höherer ISO kürzere Belichtungseiten und/oder höhere Blendenwerte möglich sind, stimmt nach wie vor. Die Dämmerung ist da... Blende 8 für die Schärfe, Belichtungszeit 1/250 Sekunden gegen Verwackeln. Raus kommt ggf. eine ISO in irgendeinem 4-stelligen Bereich. Die Kamera kann das ja.

Und tatsächlich sagt das Datenblatt meiner EOS 80D, dss ISO-Werte bis hoch zu 25.600 unterstützt werden.

Ist die ISO-Anpassung also der Heisbringer für alle Probleme mit der Belichtungszeit und der Blende? Leider nicht! Diese ISO 25.600 ist, sorry Canon und all die anderen Hersteller, die mit derartig hohen Werten werben , reines Marketinggewäsch.

Denn je höher der ISO-Wert gewählt wird, je verrauschter wird das Bild. Irgendwann sind die Ergebnisse unbrauchbar und auch die Idee "besser ein schlechtes als kein Bild" verblasst.

Der Trick an der ganzen Sache besteht darin, nicht etwa die Lichtempflindlichkeit des Sensors zu erhöhen. Diese Empfindlichkeit ist vorgegeben und ist, wie sie ist.
Es wird lediglich das gemessene Signal des Sensors elektronisch umso mehr verstärkt, wie die ISO angehoben wird.

Das Rauschen ist mit immer besser werdenden Sensoren in den vergangenen Jahren deutlich besser geworden, ab ISO 1.600 würde ich aber bei meiner 80D eine Grenze ziehen, ab der das Rauschen merkbar zunimmt und Details des Bildes schluckt.
Andere Kameras, z.B. mit größeren Vollformatsensoren erlauben auch brauchbare Ergebnisse bei höheren Werte bis z.T. 6.400.

Daher ist der Wert von 1.600 ist keine fixe Grenze! Unterschiedliche Kameras reagieren auf höhrere ISO-Werte mit unterschiedlich starkem Rauschen.

Was Du dir aber merken solltest :
versuche den
ISO-Wert so klein wie möglic h zu halten. Sofern vertretbar, belichte länger oder nutze einen kleineren Blendenwert, wenn Du damit bei ISO 100 bleiben kannst, denn 100 stellt das Optimum dar. Bei ISO 200, 400 oder zur Not auch 800 ist das in der Regel auch noch kein Problem, aber es gilt halt: je kleiner der Wert, je qualitativ besser.