Martin´s Eck

Meine Fotoausrüstung
Die (für mich) perfekte Fotoausrüstung

D amals, Im Jahr 1979
Im Alter von 15 Jahren begann ich mich für Fotografie zu interessieren. Meine Eltern drückten mir ihre Agfa Color Apotar in die Hand und ich legte los. 45mm Brennweite, Lichtstärke 1:2.8. Zeit und Blende ließen sich getrennt einstellen, die ISO wurde vom eingelegten Film bestimmt und ich musste mit Blick auf den Belichtungsmesser durch Verstellen von Zeit und / oder Blende einen kleinen Zeiger in ein Rechteck bewegen. War der Film voll, musste ich für die Entwicklung erstmal ein wenig Taschengeld sparen oder Vater anpumpen. Letztendlich lief es auf eine Mischung beider Methoden heraus.
Damals war dies für mich die perfekte Kamera, konnte ich damit doch erste Erfahrungen in der Fotografie sammeln und ohne Geld in die Hand zu nehmen entscheiden, ob das Thema für mich überhaupt langfristig interessant ist.

1980, die erste SLR
Da die Kamera aber damals schon nicht zu den neuesten Modellen gehörte und ich den Spaß an der Sache behielt, begann das Sparen auf die erste eigene Kamera und irgendwann war es dann soweit: eine Canon AE1, zunächst mit einem 50mm-Objektiv und Lichtstärke 1:1.8, betrat mein Leben und wurde mein Begleiter.
Der Objektivpark erweiterte sich um ein 80-200mm Zoom mit durchgängiger Lichtstärke von 1:4 und um ein 28mm Weitwinkel 1:2,8. Diese Kombination, zusammen mit Polfilter, einem Stativ und einem drahtgebundenen Fernauslöser wurde für viele Jahre meine perfekte Kameraausrüstung.

2003, die erste Digitale
Nach 23 Jahren analogen Lebens konnte ich mich dem digitalen Trend nicht mehr entziehen. Eine Minolta Dimage 7i mit sagenhaften 5 Megapixeln wurde angeschafft. Kamera und Speicherkarten mit einigermaßen brauchbaren Kapazitäten waren damals noch unverschämt teuer, das Ding fraß Batterien bzw. Akkus, brachte es aber immerhin auf einen Brennweitenbereich von 18-200mm bei einer Lichtstärke von 1:2,8-3,5 und brachte mich hinein in die digitale fotografische Welt.

Der weitere Werdegang
Es folgen eine Canon EOS 20D, 700D und mittlerweile (Ende 2018) ist eine Canon 80D in Gebrauch.

Heutige Ausrüstung - Womit laufe ich rum und warum
Marke
Da wäre ja zunächst die alte Glaubensfrage Canon, Nikon, Sony etc. zu klären.
Einmal Canon, immer Canon. Zumindest auf mich trifft das zu und auch wenn z.B. Sony aktuell die besseren Sensoren hat, würde ich nicht über einen Systemwechsel nachdenken. Dagegen spricht zunächst der vorhandene Objektiv- und Zubehörpark, aber auch insbesondere die Tatsache, dass für mich, der ich das nicht ansatzweise professionell betreibe, die Bildqualität der Kamera ausreicht.

Modell
Angefangen bei der 20D über die 700D bis hin zur 80D waren alle Kameras sehr gut. Die Megapixel stiegen von 8,2 (20D) über 18 (700D) auf mittlerweile 24,2 (80D) Megapixel.
Braucht man das? Nunja, für Internet, die Betrachtung am Bildschirm und Ausdrucke bis DIN A2 "reichen" für mich auch 18 Megapixel mehr als aus.

Der Grund für das letzte Upgrade zur 80D waren für mich insbesondere:
Das
Bedienkonzept : da war ich von der 2-stelligen 20D verwöhnt und mit der Bedienung der 3-stelligen nicht immer wirklich glücklich. Mit der 700er brauchte ich für die Konfiguration ständig das Display, bei der 80er erledige ich das Meiste bequem über das Schulterdisplay und das Display kann (stromsparend) aus bleiben.

Das
Rauschverhalten : da ich öfter mal in höheren ISO-Bereichen unterwegs bin, hat mir der Fortschritt in der Sensortechnologie mit sanfterem Rauschen in den höheren Regionen durchaus gefallen. Das ist jetzt gegenüber der 700D nicht DER bahnbrechende Schritt, aber die Verbesserung ist wahrnehmbar.

Der
Autofokus : zunächst einmal hat die 80D deutlich an Fokuspunkten zugelegt und die Möglichkeiten des AF Tracking sind schon toll. Nachteil: mit dem Thema muss man sich durchaus beschäftigen, intuitiv sind die diesbezüglichen Parameter nicht.

Die
Microjustage : wenn es denn mal zu einem Front- oder Backfokus mit einem Objektiv kommt, kann ich das Problem eigenständig in einem gewissen Rahmen durch Justierung lösen, ohne das Equipment einsenden zu müssen.

Fazit für mich: natürlich geht es immer noch edler, z.B. mit einer Vollformat-Kamera oder einer 1-stelligen, die in gewissen Situationen Vorteile bringen kann. Für mich ist die 80D das ideale Universalwerkzeug.
Was die Bildqualität betrifft, dürft ich euch nichts vormachen: diese ist auch bei den "kleineren" Modellen wie z.B. die 800D oder die 77D identisch. Unterschiede liegen hier lediglich im Komfort. Einem Bild sieht man es nicht an, mit welcher dieser Kameras es gemacht wurde.

Objektive
Mein genutzter Glaspark umfasst aktuell:
Canon EF-S 10-18mm 1:4,5-5,6 IS STM: eine relativ preiswerte weitwinklige Linse mit guter Abbildungsleistung und geringem Gewicht. Sowohl in Städten, bei Landschatsaufnahmen und auf Urlaubsreisen ist dieses Objektiv mittlerweile immer dabei.

Canon EF-S 18-135mm 1:3,5-5,6 IS STM: Das ist bei Urlaubsreisen oder Trips mit der Frau, bei denen die Fotografie nicht zwingend im Vordergrund steht (genauer wegen des Hausfriedens stehen darf), das Immerdrauf-Objektiv. Der relativ große Brennweitenbereich hat da absolute Vorteile und die Abbildungsleistung ist völlig OK für mich.

Canon EF 70-300mm 1:4-5,6 IS II USM: gerade in Zoos oder bei Tierfotos sind die 300mm sehr gut einsetzbar und die Abbildungsleistung ist absolut OK. Daneben schleppt man sich nicht tot, wenn diese Linse zusätzlich im Gepäck ist.

Canon EF-S 60mm 1:2,9 USM Macro: von der Schärfe dieser Linse bin ich immer wieder begeistert und wird regelmäßig dann mitgenommen, wenn Detailaufnahmen mit kurzen Abständen zum Motiv geplant sind. Außerdem kommt sie immer dann zum Einsatz, wenn ich Bilder von meinem Zweithobby, meinem Meerwasseraquarium mache.

Canon 17-55mm 1:2,8 IS USM: das ist außerhalb der Urlaubsreisen meine Immerdrauf-Linse. Vorteil ist hier klar die durchgängige Lichtstärke von 1:2,8, verbunden mit einer hohen Abbildungsleistung und für viele Bilder passendem Brennweitenbereich.

Sigma 70-200mm, 1:2,8: das Teil kommt immer dann zum Einsatz, wenn der Brennweitenbereich gepaart mit der durchgängig hohen Lichtstärke tatsächlich benötigt wird. In diesen Situationen ist es super, ansonsten empfinde ich das doch recht hohe Gewicht als eher störend.

Filter
Wirklich vieler Filter bedarf es meiner Meinung nach in der heutigen Zeit mit den Möglichkeiten der nachgelagerten Bildbearbeitung nicht. Insbesondere die oft für den Objektivschutz angepriesenen UV-Filter sind dabei in meinen Augen vollständig unnütz. Die Aufgabe der UV-Filterung übernimmt der eh schon vorhandene Filter vor dem Sensor. Die Objektive lassen sich wesentlich besser mit Gegenlichtblenden schützen. Daher gehört eine solche Gegenlichtblende, auch Streulichtblende genannt, für mich zu jedem Objektiv dazu und verhindert neben dem Schutz auch noch den Einfall von Streulicht.
Zum Thema Gegenlichtblende und Canon: die Preise, die da für Originalblenden aufgerufen werden, sind in meinen Augen eine Unverschämtheit. Wesentlich preisgünstiger geht es mit Blenden von Drittanbietern, die ihren Zweck genau so erfüllen.

Dabei sind bei mir deshalb an Filtern immer nur:

Graufilter ND64 und ND1000 als Schraubfilter: die Filter werden immer wieder gerne von mir genutzt, um auch am Tag Langzeitbelichtungen zu machen. Es gibt diese Filter in den unterschiedlichsten Preiskategorien. Meine Haida-Filter liegen im mittleren Preissegment und bieten eine für mich völlig ausreichende Qualität.

Heliopan Polfilter : ich nutze ihn, um Spiegelungen oder Dunst zu reduzieren als auch für kräftigere Farben des Himmels.

Ausblick : auch wenn sich Vieles später mit der Bildbearbeitung machen läßt, ersparen sogenannte Grauverlaufsfilter ggf. einiges an Nachbearbeitungszeit. Ich bin in der Entscheidungsfindung ;-)

Auf jeden Fall wird es hier ein Rechteckfilter samt Filterhalter werden, um den Filter verschieben und damit anpassen zu können. Schraubfilter mit einer fest definierten Trennlinien in der Mitte machen hier keinen Sinn, da der Bildaufbau dadurch zu stark eingeschränkt ist.
Bei den übrigen Filtern tun es auch Schraubfilter, zumal diese nicht so viel Platz wegnehmen wie Rechteckfilter. Achtet dabei auf die Durchmesser der Filtergewinde an euren Objektiven. Bei mehr als einem Durchmesser macht es Sinn, sich den oder die Drehfilter für den größten Durchmesser u kaufen und über Step-Down-Ringe an die kleineren Durchmesser anzupassen; andernfalls bräuchtet ihr für jeden Durchmesser einen eigenen Filter, was dann auch schnell ins Geld gehen kann.

Stativ
Ein Stativ ist einfach notwendig, um bei länger werdenden Belichtungszeiten noch Bilder ohne Verwacklungen hin zu bekommen. Die mittlerweile zum Standard gewordene Bildstabilisierung kann einiges reißen, ist aber kein Allheilmittel.

Für zu Hause und bei gezielten Touren verwende ich ein Manfrotto 055 mit Getriebeneiger. Das Teil ist stabil, der Neiger läßt sich präzise einstellen. Dieses Stativ kann ich empfehlen.

Außer auf Urlaubsreisen, wo es doch ein wenig auf das Gewicht ankommt. Hier hat sich in letzter Zeit ein Rollei Compact Traveler No. 1 Carbon bewährt.
Das Stativ samt Kopf wiegt weniger als 1 Kilo, läßt sich auf maximal 142cm ausfahren und trägt Kamera samt 18-135 recht stabil.

Fototasche / Fotorucksack
Ein heikles Thema für mich. Die Dinger stapeln sich mittlerweile:

Rucksäcke: die Dinger gibt (bei mir) es in unterschiedlichen Größen, vom Lowepro Mini Trekker AW, Lowepro Slingshot 200AW bis zum Tamrac Expedition 8 für die größere Ausrüstung. Die Teile kommen immer wieder mal zum Einsatz, sind aber auf die eine oder andere Art mit Nachteilen für mich behaftet. Bei den Rucksäcken stort mich vor allem, dass ich sie jedes Mal umständlich absetzen muss, wenn ich ein Objektiv wechseln will oder beispielsweise einen bestimmten Filter brauche.

Mein momentaner Liebling für den Alltag und auf Reisen ist daher der Think Tank Retrospective 7 V2.0. Diese Umhängetasche sieht zunächst einmal nicht sofort nach Kameratasche aus, was ich schonmal nicht schlecht finde. Man kommt schnell an den Inhalt heran, was ich ebenfalls sehr schätze. Platz ist ebenfalls genug für Body mit angesetztem Objektiv und 2 weiteren Objektiven. OK, das 70-200mm 2,8 passt nicht wirklich. Weiterhin passen Filter, Fernauslöser, Ersatzakku und der übrige Kram wie Geldbörse, Smartphone, Schlüssel und Papiere hinein.

Wäre das auch Deine perfekte Ausrüstung?
Vermutlich nicht. Denn es kommt insbesondere auf Dich an und auf Deine Schwerpunkte, die Du bei der Fotografie setzt.

Wenn Du in jedem Fall das Optimum aus Deinen Bildern herausholen willst, strebst Du wahrscheinlich zu einer Vollformatkamera und den dazu passenden Objektiven. Und in der letzten Zeit stellt sich ja auch die Frage, ob es eine Spiegelreflexkamera oder ein spiegelloses Modell sein soll. Spiegellos ist wohl die Zukunft, ich bin mit einem Spiegel groß und alt geworden, womit mich eher nostalgische Gründe an dem Spiegel haben hängen lassen.

Wenn Du keine Lust hast, das ganze mehr oder weniger schwere Eqipment mit Dir rumzuschleppen, tut es für Dich auch eine Kompakt- der Bridgekamera, die bequem in einer kleinen Tasche Platz findet. Die Teile haben sicherlich ein paar Einschränkungen, insbesondere hinsichtlich deren Erweiterbarkeit, schlechte Bilder machen sie aber definitiv auch nicht. Und was nutzt die beste Kamera, die zu Hause liegt? Im Zweifelsfall tut es auch die Smartphonekamera. Besser ein nicht ganz so technisch perfektes Bild machen als gar kein Bild machen.

Bei den Objetiven, sprich der Brennweite und der Lichtstärke kommt es auch auf Dich an. Bist Du eher der weitwinklige Typ oder brauchst Du eher die größeren Brennweiten, um z.B. in Zoos oder Vögel in der Natur zu fotografieren? Oder interessiesen dich eher Marcoaufnahmen, wo Du wiederum bei ganz anderem Zubehör wie Zwischenringe, Balgen, Nahlinsen usw. landen wirst?

Brauchst Du eine hohe Lichtstärke, um Objekte gut freistellen zu können oder in Low Light Situationen die ISO unten bzw. die Belichtungszeit kurz halten zu können? Beachte: hohe Lichtstärken sind in der Regel teurer und vor allen Dingen schwerer. Aus diesem Grund, siehe meine Objektivliste, fahre ich tatsächlich auch zweigleisig.

Was wichtig ist :
Überlege, was Du machen willst und wo Dein Preislimit liegt, informiere dich im Internet und kaufe daraufhin ein:
Nimm unterschiedliche Modelle in die Hand. Das ist wirklich wirklich wichtig. Die technischen Daten mögen noch so gut sein, wenn DU mit dem Equipment nicht klar kommst, weil nicht komfortabel zu bedienen, zu schwer, zu unhandlich, zu leicht oder aus anderen Gründen, wird es Dir keinen Spaß machen. Und Spaß an der Sache sollte die Grundlage eines Hobbys sein.

Nicht alles auf einmal kaufen . Das Equipment ist Mittel zum Zweck. Für den Start reicht, wenn Du noch nicht so richtig weißt, wohin die Reise gehen soll, ein Body samt Kitobjektiv, Gegenlichtblende, Speicherkarte und ggf. ein Ersatzakku. Los geht´s. Du wirst dann schon merken, wo es DIR fehlt und kannst dann entsprechend erweitern.

Lerne: Kauf Dir für den Einstieg ein Buch, das sich mit den Grundlagen der Fotografie beschäftigt, lese darüber im Internet oder tu dich mit Freunden / Bekannten zusammen. Im Dunstkreis der Fotografie schwirren eine Vielzahl von Fachbegriffen herum, die zunächst einmal erschrecken mögen. Eigentlich ist es gar nicht so schlimm. Wenn man erstmal die Wirkung von ISO, Blende und Belichtungszeit verstanden hat, braucht es nur noch geeignete Motive und kreative Ideen, diese ins rechte Licht zu rücken.

Experimentiere : gerade in der digitalen Zeit, in denen Du nicht mehr wie früher viel Geld für die Entwicklung verunglückter Bilder ausgeben musst, sondern die Fehlversuche einfach löschen kannst, spricht nichts mehr dagegen, eine Idee zu haben und zu versuchen, diese umzusetzen. Wenn dann von 200 Bildern nur noch ein Bild übrig bleibt, mit dem Du zufrieden bist, ist das doch OK.

Nutze die Nachbearbeitung : was früher das Fotolabor war, kannst jetzt DU sein. Irgendwas ist immer: der Bildausschnitt passt doch noch nicht so wirklich, die eine oder andere Farbe sah in natura doch ein wenig kräftiger aus als auf dem Bild, die Schatten sind zu dunkel usw. usw.
Es muß da nicht ein Bolide wie Photoshop sein. Um da rein zu kommen, reicht auch Freeware wie z.B. gimp oder sowas wie das preisgünstige Affinity Photo, mit dem man die gängigen Nachbearbeitungsschritte, aus Sicht eines Nicht-Profis betrachtet, ebenfalls sehr gut durchführen kann.
Sei kreativ beim Ausprobieren der angebotenen Filter.

RAW oder JPEG : ich liebe diese Diskussionen. Da ist für jede Meinung was dabei:
"Wer in RAW fotografiert, hat die Kontrolle über seine Kamera verloren".
"Bei JPEG verzichtest Du auf einen großen Teil der Möglichkeiten, die Deine Kamera hinsichtlich Bildqualität bietet".

Und nun? Mein Rat dazu:
Wenn Du keine Lust hast, die RAW-Bilder mit einem dafür verbundenen Zeitaufwand zu entwickeln, bleib bei JPEG. Die heutigen in den Kameras verwendeten Algorithmen sind für 80% meiner Aufnahmen sooo schlecht nicht.

Einem Großteil der Bilder, die in unkritischen Belichtungssituationen aufgenommen werden und die hinterher eh nur maximal im Bildausschnitt beschnitten oder irgenwas Störendes wegretuschiert wird, sieht man es hinterher nicht an, ob sie aus einem RAW entstanden sind oder nicht.
Wenn ich z.B., das ist mein typischer Anwendungsfall für JPEG, auf Familienfeiern Bilder mache, sie hinter auf 10x15 mit meinem Selphy-Drucker ausdrucke und der Verwandschaft noch vor Ende der Feier zur Verfügung stelle, würde ich nicht im Traum auf die Idee kommen, da erst noch ein RAW zu entwickeln.

Für den Rest, bei dem Du schon im Vorfeld weißt, dass die Bilder in kritischen Lichtsituationen entstanden sind oder / und Du aus den Bildern das Maximum herausholen willst, nutze RAW.